Klicken Sie hier, um den Text anzuhören:
Zwischen 1964 und 1966 entwickelte der Wissenschaftler Joseph Weizenbaum vom MIT das Programm ELIZA, dessen Name von der Figur Eliza Doolittle aus George Bernard Shaws Theaterstück „Pygmalion“ inspiriert war. Die Software nutzte einfache Techniken der Mustererkennung und Wortersetzung, um Antworten auf die Eingaben der Nutzer zu generieren. Ihr berühmtestes Skript namens DOCTOR simulierte einen Psychotherapeuten nach Rogers’ Methode, indem es Fragen zurückgab und Sätze umformulierte, um den Eindruck eines einfühlsamen Dialogs zu erwecken.

Trotz ihrer Einfachheit glaubten viele Nutzer, dass ELIZA sie wirklich verstehe – ein Phänomen, das als ELIZA-Effekt bekannt wurde, bei dem Menschen Maschinen allein aufgrund oberflächlicher Antworten menschliche Eigenschaften zuschreiben. Einige gingen sogar so weit, dem Programm intime Informationen anzuvertrauen, und sogar Psychotherapeuten erwogen die Möglichkeit, Teile der Therapie zu automatisieren.
Weizenbaum war überrascht – und sogar besorgt – darüber, wie ernst sein Experiment genommen wurde. In seinem Buch „Computer Power and Human Reason“ (1976) warnte er vor der Gefahr, zu glauben, dass Computer menschliche Entscheidungen ersetzen könnten. Für ihn ist das Entscheiden eine rechnerische Tätigkeit, doch das Wählen beinhaltet Urteilsvermögen, Emotionen und Weisheit – Eigenschaften, die Maschinen nicht besitzen.
ELIZA führte nicht nur das Konzept des Chatbots ein, sondern ebnete auch den Weg für moderne virtuelle Assistenten wie Siri, Alexa, ChatGPT und andere Konversationssysteme. 1966 wurde das Programm mit dem Peabody Award ausgezeichnet, der seine Innovation und kulturelle Bedeutung würdigte, indem er zeigte, dass Software emotionale Verbindungen und persönliche Erzählungen schaffen kann.

In den folgenden Jahren wurde ELIZA für verschiedene Sprachen und Plattformen angepasst. Lehrende und Studierende entwickelten Varianten des Codes und loteten dabei neue Antworten und Interaktionen aus. Eine JavaScript-Version ist bis heute verfügbar, sodass jeder diese „digitale Therapeutin“ ausprobieren und ihre Grenzen im Umgang mit komplexen Fragen erkennen kann.
Aber was ist eigentlich ein Chatbot?
Chatbots sind Computerprogramme, die darauf ausgelegt sind, menschliche Gespräche zu simulieren, indem sie Fragen beantworten und über Text oder Sprache interagieren. Sie können einfache Regeln befolgen – wie beispielsweise ELIZA, das auf Musterabgleich basierte – oder fortschrittliche Techniken der künstlichen Intelligenz einsetzen, um den Kontext besser zu verstehen und natürlichere Antworten zu generieren.
Klicken Sie auf das Video, um den Text anzuhören:
Quellen: https://www.historyofinformation.com/detail.php?id=4137
https://liacademy.co.uk/the-story-of-eliza-the-ai-that-fooled-the-world/
https://www.weizenbaum-institut.de/w-100/exhibition-eliza

Kommentar verfassen