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Warum essen wir weiter, auch wenn wir schon satt sind?

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Viele Menschen kennen die Situation: Man ist eigentlich satt, aber greift trotzdem noch zu einem Snack. Biologisch betrachtet sollte unser Körper dieses Verhalten verhindern – schließlich verfügt er über ein ausgeklügeltes System, das Hunger und Sättigung reguliert. Doch im Alltag scheint dieses System oft überfordert zu sein. Warum?

Übergewichtiger Mann isst weiterhin Süßigkeiten, trotz Sättigungsgefühl.

Damit wir genug Energie aufnehmen, arbeitet unser Körper mit einem Zusammenspiel verschiedener Hormone und Hirnregionen:

  • Ghrelin signalisiert Hunger, wenn der Blutzuckerspiegel sinkt.
  • Leptin, das im Fettgewebe entsteht, vermittelt dem Gehirn, dass ausreichend Energie vorhanden ist.
  • Der Hypothalamus verarbeitet diese Signale und dämpft normalerweise die Reaktion auf Essensreize, sobald wir satt sind.

In einer Welt voller Werbung, Snackregalen und ständig verfügbarer Lebensmittel wird unser Gehirn permanent mit Essensreizen konfrontiert. Diese Reize können die biologischen Sättigungssignale überlagern. Viele Menschen essen daher nicht aus echtem Hunger, sondern weil bestimmte Lebensmittel attraktiv wirken oder weil Essen zur Gewohnheit geworden ist.

Eine Forschungsgruppe der University of East Anglia wollte genauer verstehen, wie das Gehirn auf solche Reize reagiert – besonders dann, wenn man eigentlich keinen Hunger mehr hat.

Für die Untersuchung nahmen 76 Personen an einem Experiment teil, bei dem ihre Hirnaktivität mittels EEG gemessen wurde. Während eines Lernspiels wurden ihnen Bilder verschiedener Snacks gezeigt – von Schokolade bis Popcorn. Zur Hälfte der Aufgabe bekamen die Teilnehmenden eines dieser Lebensmittel zu essen, und zwar so lange, bis sie wirklich keinen weiteren Bissen mehr wollten.

Das Überraschende: Auch nach der Mahlzeit reagierte das Gehirn weiterhin stark auf die Snackbilder. Die Aktivität im Belohnungssystem blieb hoch, obwohl die Teilnehmenden angaben, satt zu sein.

Die Ergebnisse legen nahe, dass ein Teil unseres Essverhaltens automatisch abläuft. Wenn wir häufig zu bestimmten Snacks greifen, kann das Gehirn diese Handlung als Gewohnheit abspeichern. Dann reicht schon der Anblick des Lebensmittels, um das Belohnungssystem zu aktivieren – unabhängig vom tatsächlichen Energiebedarf.

Interessant ist auch, dass dieser Effekt nicht davon abhing, wie gut die Teilnehmenden in anderen Situationen zielgerichtete Entscheidungen treffen konnten. Selbst Menschen mit hoher Selbstkontrolle zeigten die gleiche hartnäckige Belohnungsreaktion.

Die Studie zeigt, dass Überessen nicht allein eine Frage von Willenskraft ist. Unser Gehirn reagiert auf Essensreize oft stärker, als uns bewusst ist. Das erklärt, warum Snacks so verführerisch bleiben – selbst nach einer großen Mahlzeit.

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Quelle: https://www.scinexx.de/news/psychologie/warum-wir-nicht-genug-von-snacks-bekommen/

Wissenschaftlicher Artikel: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666325005434?via%3Dihub

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