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Pseudowissenschaft ist ein System aus Erklärungen, Methoden und Annahmen, das sich als wissenschaftlich ausgibt, jedoch grundlegenden wissenschaftlichen Prinzipien wie Überprüfbarkeit und Falsifizierbarkeit nicht folgt.

Pseudowissenschaft unterscheidet sich von schlechter Wissenschaft. Schlechte Wissenschaft verwendet zwar wissenschaftliche Methoden, tut dies jedoch fehlerhaft (z. B. durch kleine Stichproben, Verzerrungen oder Übertreibungen). Sie kann durch ein besseres Studiendesign verbessert werden. Pseudowissenschaft hingegen kann niemals zu guter Wissenschaft werden, da sie ihrem Wesen nach keine Wissenschaft ist.
Warum wir auf Pseudowissenschaft hereinfallen
Wir sind mustersuchende Wesen, die Unsicherheit schlecht ertragen und nach Kontrolle streben – besonders in belastenden Situationen, etwa bei schweren gesundheitlichen Problemen. Pseudowissenschaft macht sich diese menschlichen Bedürfnisse zunutze, indem sie einfache und scheinbar sichere Lösungen für komplexe Probleme verspricht.
Zudem treten Pseudowissenschaftler häufig mit absoluter Gewissheit auf, während evidenzbasierte Fachleute ihre Aussagen vorsichtig formulieren und in Wahrscheinlichkeiten sprechen. Diese Zurückhaltung wirkt auf viele Menschen weniger beruhigend.
Kognitive Abkürzungen verstärken die Anziehungskraft der Pseudowissenschaft: Bestätigungsfehler und motiviertes Denken begünstigen das, was wir ohnehin glauben möchten, während anschauliche Anekdoten oft überzeugender wirken als nüchterne statistische Daten.
Kennzeichen der Pseudowissenschaft
- Nicht falsifizierbare Behauptungen: Kann eine Aussage prinzipiell nicht widerlegt werden, ist sie unwissenschaftlich.Beispiel: „Es gibt Geister unter uns, die Krankheiten verursachen, aber sie sind nicht nachweisbar.“
- Umkehr der Beweislast: „Niemand hat meine Behauptung widerlegt, also muss sie wahr sein.“ In rationaler Forschung trägt jedoch immer diejenige Person die Beweislast, die eine Behauptung aufstellt.
Beispiel: „Niemand hat bewiesen, dass Außerirdische das alte Ägypten nicht besucht haben – also haben sie es.“ - Sonderplädoyers (Ausreden bei negativen Ergebnissen): Wird eine Behauptung widerlegt, werden ad-hoc-Erklärungen erfunden, um sie zu retten.
Beispiel: „Meine Hellseherin hat diesmal nicht funktioniert, weil du nicht daran geglaubt hast.“ - Rosinenpickerei (Cherry Picking): Es werden nur die Daten hervorgehoben, die die eigene Position stützen, während widersprechende Befunde ignoriert werden.
Beispiel: „Eine Studie hat gezeigt, dass das Wassergedächtnis real ist!“ (Diese umstrittene Studie aus den 1980er-Jahren in Nature konnte nie reproduziert werden.) - Missbrauch von Fachjargon: Komplizierte, scheinbar wissenschaftliche Begriffe werden eingesetzt, um Autorität vorzutäuschen.
Beispiel: „Unsere Therapie aktiviert angeborene neurobiologische Abwehrmechanismen.“ - Selbstüberschätzung und absolute Sprache: Wissenschaft arbeitet mit Unsicherheiten („deutet darauf hin“, „spricht für“). Absolute Aussagen sollten skeptisch machen.
Beispiel: „Unser Grünpulver steigert nachweislich die Gehirnfunktion.“ - Missachtung von Ockhams Rasiermesser: Die einfachste Erklärung mit den wenigsten Zusatzannahmen ist meist die beste.
Beispiel: „Mondfinsternisse werden durch ein unsichtbares Schattenobjekt verursacht.“ - Überbetonung anekdotischer Evidenz: Einzelfälle ersetzen keine systematischen Untersuchungen.
Beispiel: „Meinem Freund ging es nach Energieheilung besser – also funktioniert sie.“ - Widerstand gegen Veränderungen: Wissenschaftliche Theorien werden bei neuen Daten angepasst. Bleiben zentrale Aussagen trotz widersprechender Evidenz unverändert, spricht das für Pseudowissenschaft.
Beispiel: Die Homöopathie folgt seit Jahrhunderten denselben Grundannahmen – ungeachtet physikalischer und chemischer Einwände.
Pseudowissenschaft und Aufgeschlossenheit
Die Ablehnung pseudowissenschaftlicher Behauptungen ist keine Engstirnigkeit. Wahre Aufgeschlossenheit bedeutet, die eigene Meinung bei besseren Beweisen zu ändern. Genau das ist ein Kernprinzip der Wissenschaft: Erkenntnisse sind vorläufig, Unsicherheit wird akzeptiert und Schlussfolgerungen entwickeln sich mit neuen Daten.
Pseudowissenschaft tut das Gegenteil – sie beansprucht Gewissheit und widersetzt sich jeder Korrektur.
Wer versteht, wie Wissenschaft funktioniert, und die typischen Kennzeichen der Pseudowissenschaft kennt, bleibt wirklich offen – und ist zugleich deutlich schwerer zu täuschen.
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