Klicken Sie hier, um den Text anzuhören:
Sie kommen nach Hause, müde von der Schule, der Universität oder der Arbeit, und beschließen, den Fernseher einzuschalten. Beim Drücken der Taste passiert jedoch nichts. Sofort beginnen Sie, Hypothesen zu formulieren, die erklären könnten, warum sich der Fernseher nicht einschaltet.
Erste Hypothese: Der Fernseher ist nicht mit der Steckdose verbunden. Sie überprüfen das Netzkabel und sehen, dass es richtig eingesteckt ist. Damit ist die erste Hypothese widerlegt.
Zweite Hypothese: Es gibt keinen Strom. Um diese Hypothese zu testen, schalten Sie das Licht ein oder versuchen, ein anderes Elektrogerät zu benutzen. Sie stellen fest, dass es keine Probleme mit der Stromversorgung gibt, und somit ist auch die zweite Hypothese widerlegt.
Glückwunsch! Sie haben zwar noch nicht herausgefunden, warum Ihr Fernseher nicht funktioniert, aber Sie haben die wissenschaftliche Methode auf eine Alltagssituation angewendet.
Die Wissenschaft steckt in allen Dingen, die wir benutzen. Ihr verdanken wir sämtliche technologischen Geräte, Medikamente und unseren modernen Lebensstandard – doch viele Menschen wissen kaum, wie sie eigentlich funktioniert.
Wir leben in einer Gesellschaft, die von Wissenschaft und Technik abhängig ist, aber fast nichts darüber weiß.
— Carl Sagan
Die Schritte der wissenschaftlichen Methode
1. Stellen Sie eine Frage.
2. Formulieren Sie eine Hypothese (sammeln Sie Informationen, die Ihre Frage erklären können).
3. Führen Sie ein kontrolliertes Experiment durch, um die Hypothese zu testen. Externe Faktoren dürfen das Ergebnis nicht beeinflussen, und das Experiment muss von anderen Wissenschaftlern reproduziert werden können.
4. Wiederholen Sie das Experiment mehrmals, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse zuverlässig sind.
5. Sammeln und analysieren Sie die Daten. Die Analyse kann Ihre Hypothese bestätigen oder widerlegen. Falls sie widerlegt wird, muss die Hypothese angepasst werden.
6. Veröffentlichen Sie Ihre wissenschaftliche Arbeit.
Diese muss die Fragestellung, die Hypothese, das Experiment und dessen Ergebnisse genau beschreiben und erklären, ob die Hypothese bestätigt wurde oder nicht. Die Arbeit wird anschließend im „Peer Review“-Verfahren geprüft – oft nach dem sogenannten Doppelblindverfahren, bei dem weder Autor noch Gutachter wissen, wer die jeweils andere Person ist.

Nach der Veröffentlichung wird der Artikel weiterhin von der wissenschaftlichen Gemeinschaft kritisch bewertet. Das ist genau der Sinn: Andere sollen Ihre Arbeit prüfen, interpretieren, kritisieren, neue Ansätze vorschlagen und Ihre Experimente reproduzieren können, um zu überprüfen, ob Ihre Schlussfolgerungen korrekt sind.
Mit der Zeit führen neue Entdeckungen zu Veränderungen im jeweiligen Forschungsbereich, denn in der Wissenschaft ist nichts endgültig. Alles Bekannte kann sich verändern, verbessern oder sogar vollständig widerlegt werden. Wissenschaft entwickelt sich ständig weiter, und eine Wahrheit von heute kann morgen schon überholt sein. Nur die am besten belegten Theorien und Naturgesetze bestehen über Jahrhunderte.
Klicken Sie auf das Video, um den Text anzuhören:

Hinterlasse einen Kommentar