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Übermenschliche Stärke, Beweglichkeit und Ausdauer, die Fähigkeit, Wände zu erklimmen, sich schnell zu heilen und Netze zu erzeugen – das sind einige Eigenschaften des berühmten Spider-Man, eines Marvel-Superhelden, der 1962 vom Schriftsteller Stan Lee und vom Künstler Steve Ditko erschaffen wurde.
Alles beginnt damit, dass Peter Parker, ein gewöhnlicher Teenager mit Interesse an Wissenschaft, von einer radioaktiv kontaminierten Spinne gebissen wird – und dadurch spinnenähnliche Fähigkeiten entwickelt. Eine besonders merkwürdige Kraft, die er erhält, ist der sogenannte „Spinnensinn“, der wie ein sechster Sinn funktioniert, Gefahren vorhersagt und extrem schnelle Reflexe ermöglicht. Doch wie viel Wahrheit steckt tatsächlich dahinter?
Spinnen besitzen tatsächlich eine außergewöhnliche Empfindlichkeit, die wissenschaftlich erklärt werden kann – sie unterscheidet sich jedoch stark von dem „Spinnensinn“ in Comics und Filmen. Verantwortlich dafür sind ihre zahlreichen Sinnesorgane, die über ihren Körper verteilt sind. Eine Spinne besitzt bis zu 40.000 Borsten pro Quadratzentimeter, die mit sensorischen Rezeptoren verbunden sind und Luftbewegungen wahrnehmen. Zum Vergleich: Der Mensch hat etwa 60 Haare pro Quadratzentimeter.

Außerdem befinden sich unter ihrer Haut sogenannte Spaltorgane, die Vibrationen aus der Luft und vom Boden registrieren und es der Spinne ermöglichen, Feinde zu erkennen. Diese Wahrnehmung funktioniert sogar bei Arten, die blind sind oder in völliger Dunkelheit leben – wie etwa Dorinha, eine kürzlich vom Butantan-Institut entdeckte Höhlenspinne. Ebenso muss Spider-Man nicht sehen, um Gefahren zu spüren.
Wenn man sich einer Spinne nähert, „hört“ sie das Geräusch nicht – sie spürt vielmehr die Vibrationen und zieht sich zurück. Auch gutes Sehvermögen ist bei Spinnen selten: Von rund 50.000 bekannten Arten besitzen nur etwa 5 % wirklich gute Augen. Viele Arten können lediglich Hell-Dunkel-Kontraste unterscheiden. Wird es plötzlich dunkler, ziehen sich tagaktive Arten meist zurück oder fliehen.
Auch beim Klettern spielen Borsten eine besondere Rolle: Einige Spinnenfamilien besitzen an ihren Beinen spezialisierte Haftborsten mit Tausenden von Nervenenden, die ihnen starken Halt geben. Sehr große Spinnen können jedoch aufgrund ihres Gewichts nicht mehr klettern – das schwerste bekannte Tier, das noch an Wänden laufen kann, ist der Gecko. Spider-Man kann trotz fehlender „Ausrüstung“ problemlos an Wänden haften, da er laut Comic-Erklärung die „interatomare Anziehungskraft erhöhen“ kann.
Hätte Peter Parker tatsächlich einen Körper, der – wie bei Spinnen – von Haaren und sensorischen Rezeptoren bedeckt wäre, wären seine Fähigkeiten zumindest ein wenig näher an der Realität.
*Dieser Text wurde mit Unterstützung des Arachnologen Antonio Brescovit vom Institut Butantan erstellt.
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https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(16)30985-X

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